Rascht/Hopkins (idea) – In einem Brief aus dem Gefängnis hat sich der aus religiösen Gründen inhaftierte iranische Pastor Youcef Nadarkhani für alle internationale Unterstützung bedankt.

Von Zeit zu Zeit erhalte er Kenntnis von Medienberichten, die über seine aktuelle Situation informieren. Dazu gehörten Kirchen und führende Politiker, die seine Freilassung verlangen. „Ich glaube, dass diese Aktivitäten sehr hilfreich sein können, um die Freiheit zu erlangen; in rechter Weise kann die Achtung der Menschenrechrechte positive Ergebnisse zeitigen“, schreibt der 35-jährige Pastor, der in Rascht einsitzt. Gleichzeitig wendet er sich gegen „beleidigende Aktivitäten, die Stress und Ärger hervorbringen und leider unter dem Vorwand der Verteidigung der Menschenrechte und Freiheit begangen werden“. Nadarkhani spielt damit offensichtlich auf die Verbrennung von Koran-Exemplaren durch den US-Prediger Terry Jones (Gainesville/Bundesstaat Florida) an. Der 60-Jährige hatte Ende April eine solche Aktion mit dem Eintreten für Nadarkhani begründet.

 

Haft als „Glaubensprüfung“

Der ehemalige Muslim Nadarkhani ist nach Angaben von Menschenrechtsorganisationen wegen „Abfalls vom Islam“ und „Verbreitung nicht-islamischer Lehren“ zum Tode verurteilt und sitzt seit 2009 im Gefängnis von Rascht ein. Sein jüngster Brief wurde am 7. Mai vom Missionswerk „Present Truth Ministries“ (Missionswerk Gegenwärtige Wahrheit) mit Sitz in Hopkins (US-Bundesstaat Minnesota) veröffentlicht. Er versichert darin seinen Unterstützern, dass er „gesund an Leib und Seele“ sei. Die Zeit im Gefängnis sehe er als „Glaubensprüfung“ an. Er versuche, der von Gott eingesetzten Obrigkeit in seinem Land in Demut und Gehorsam zu begegnen. Er habe sich dem Willen Gottes unterworfen und bitte weiter um Fürbitte. Nadarkhani nahm als 19-Jähriger den christlichen Glauben an. Später leitete er eine rund 400 Mitglieder zählende Untergrundgemeinde. Er ist verheiratet und hat zwei Söhne.

 

Westliche Politiker für Freilassung Nadarkhanis

Für die Aufhebung des Todesurteils und Nadarkhanis Freilassung setzen sich führende westliche Politiker ein, darunter US-Außenministerin Hillary Clinton und ihr deutscher Kollege Guido Westerwelle. Die Internationale Gesellschaft für Menschenrechte (Frankfurt am Main) hat mehr als 50.000 Unterschriften für Nadarkhani gesammelt und veranstaltet regelmäßig Mahnwachen in Hamburg mit Unterstützung der Evangelischen Allianz und der Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen.

 

Nadarkhani verliert Rechtsbeistand

Unterdessen hat Nadarkhani seinen Rechtsbeistand verloren. Sein Anwalt Mohammed Ali Dadkhah ist zu neun Jahren Haft verurteilt worden. Das teilte der Jurist, der auch politische Gefangene und Menschenrechtsaktivisten in der Islamischen Republik vertritt, Anfang Mai der Londoner Zeitung The Guardian mit. Er sei wegen des Verstoßes gegen die nationale Sicherheit, der Verbreitung von Propaganda gegen das Regime und des Besitzes verbotener Bücher verurteilt worden, so Dadkhah. Er war der einzige Anwalt, der sich Nadarkhanis Fall angenommen hat.

 

Quelle: Idea